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Kreditzinsen berechnen

Kreditzinsen sind Kosten für von der Bank geliehenes Geld. Sie errechnen sich immer aus der Restschuld und verringern sich bei den meisten Kreditformen während der Laufzeit. Als Kreditnehmer kann man sich für fixe oder variable Kreditzinsen entscheiden. Eine weitere wichtige Größe ist der Effektivzinssatz. Wir erklären hier, wie man sich selbst einen guten Überblick über die Zinsentwicklung schaffen kann.

Das Wichtigste in Kürze

  • Zinsen sind die Euro-Beträge, die sich aus dem Zinssatz (einem Prozentsatz) und der Referenzgröße (Kreditsumme beziehungsweise Restschuld) errechnen.
  • Kredite können fix oder variabel verzinst sein. Beide Größen richten sich nach dem 3-Monats-Euribor, wobei der Fixzinssatz bei Vertragsunterschrift eingefroren wird.
  • Fixzinskredite sind – zumindest anfangs – teurer. Dafür bleiben sie konstant.
  • Variabel verzinste Kredite sind – zumindest anfangs – günstiger. Dafür trägt man das Risiko, dass die Zinsen steigen können.
  • Sollzinsen setzen sich aus dem Euribor und dem Bankenaufschlag zusammen.
  • Der Euribor ist der europäische Leitzins und dient als Referenz für die Banken Österreichs. Man kann ihn selbst online kontrollieren.
  • Der Effektivzinssatz ist gerade bei Angebotsvergleichen die aussagekräftigere Größe als der Sollzinssatz, denn er inkludiert die Kreditnebenkosten.

Welche Art von Zinsen muss man unterscheiden

Es gibt einen Unterschied zwischen Zinsen und Zinssatz.

Während Zinsen für den Euro-Betrag steht, ist der Zinssatz die Prozentgröße, die der Berechnung der Zinsen zu Grunde liegt. Umgangssprachlich spricht man oft über Zinsen, wenn eigentlich der Zinssatz gemeint ist.

Kreditzinsen werden zum einen durch den Leitzins (beispielsweise der EURIBOR) und durch den Aufschlag der Bank berechnet. Dieser Bankenaufschlag, auch Marge genannt, ist der eigentliche Teil, an dem das Kreditinstitut verdient. Beeinflusst wird er durch die Bonität des Kunden, die internen Vorgaben und zum Teil durch Verhandlungsgeschick.

So kommt es, dass der 3-Monats-Euribor beispielsweise bei 0,2% liegt, der Zinssatz des Kreditnehmers aber bei 1,1%. Die Differenz von 0,9% ergibt sich aus dem Bankenaufschlag, der hier ebenfalls einfließt.

Infografik Bankenaufschlag

Außerdem kann man Zinsen noch in unterschiedliche Kategorien – je nach Kreditvertrag – einteilen:

Variable Kreditzinsen

Ein variabel verzinster Kredit ist anfänglich die günstigere Variante. Man startet mit dem niedrigeren Zinssatz, hat jedoch keinerlei Garantie darauf, dass die Zinsen auch so niedrig bleiben werden. Momentan befinden wir uns in Österreich (und ganz Europa) in einer so genannten Niedrigzinsphase, in der der Referenzzinssatz, der 3-Monats-Euribor teilweise sogar unter 0 liegt. Was der Euribor ist, erklären wir in diesem Artikel weiter unten.

Variable Kreditzinsen entwickeln sich also entsprechend dem Leitzins. Sie können sowohl steigen als auch fallen und beeinflussen so die monatliche Rate.

Wenn nun der 3-Monats-Euribor auf 2% steigt, bedeutet dies, dass der Kreditzinssatz mit ihm auf 2,9% steigt. Auch wenn es momentan für unwahrscheinlich gehalten wird, ist es durchaus möglich. In der Vergangenheit gab es Leitzinssätze von bis zu 5% und dadurch über 10% Effektivzinssätze auf Konsumkredite.

Fixe Kreditzinsen

Die zweite Option ist eine fixe Verzinsung des Kredits. Das ist mehr oder weniger das Gegenteil von variabel verzinsten Krediten, indem hier:

  1. die anfängliche Verzinsung höher ist als bei der variablen Variante
  2. der Zinssatz nach Vertragsabschluss konstant bleibt.

Es ist ein Irrglaube, dass der Fixzinssatz nicht vom Euribor abhängig sei. Fixzinsen bewegen sich genauso wie variable Zinsen, allerdings wird der Zinssatz zum Zeitpunkt der Vertragsunterschrift eingefroren und bleibt für den Kreditnehmer während der Laufzeit gleich.

Daher ist auch in Niedrigzinsphasen der Fixzins niedriger als sonst. Bei den meisten Bau- und Wohnkrediten kommt der Fixzinskredit nach Ablauf einer gewissen Frist in eine variabel verzinste Phase. Man spricht von einer anfänglichen Fixzinsperiode. Je länger diese dauert, desto höher ist meist die Verzinsung, da die Bank für diese Zeit das volle Zinsschwankungsrisiko trägt.

Es gibt Banken, die mittlerweile ihre Fixzinskredite sogar auf 40 Jahre vergeben. Üblicher sind 15 bis maximal zwanzig Jahre. Danach richtet sich der Zinssatz wieder nach dem aktuellen Euribor.

EURIBOR

Wie kommt der Euribor zustande? EURIBOR steht für Euro InterBank Offered Rate. Es ist jener Zinssatz, zu dem sich ausgewählte europäische Banken gegenseitig Geld leihen. Aus der täglichen Ermittlung dieses Zinssatzes ergeben sich unterschiedliche Leitzinsen, die die Banken Europas heranziehen.

Das sind der 3-, 6- oder 12-Monats-Euribor. Bei österreichischen Kreditinstituten ist meist der 3-Monats-Euribor der Indikator. Den Bausparkassen in Österreich wiederum dient der 12-Monats-Euribor.

Wie entsteht der Euribor?

Der Euribor selbst ist ein Durchschnittswert jener Zinssätze, um die sich ausgewählte europäische Banken gegenseitig Geld leihen. Er richtet sich also nach den Krediten von Banken an Banken. Dieser durchschnittliche Kreditzinssatz wird dann allmorgendlich um 11 Uhr an sämtliche europäische Banken weitergegeben.

Sind nur variable Kreditzinsen vom Euribor abhängig?

Nein. Bei laufenden Krediten gilt: Nur jene mit variabler Verzinsung hängen vom 3-Monats-Euribor ab. Aber die generelle Zinsentwicklung wird durch den Euribor geprägt. Das bedeutet, dass über kurz oder lang auch die fixen Zinsen steigen, wenn der Euribor hoch geht. Bestehende Verträge bleiben davon aber natürlich unangetastet. Daher gilt: Wer einen Wohnkredit mit fixen Zinsen aufnehmen möchte, sollte auch dies während einer Niedrigzinsperiode tun.

Effektivzinssatz

Bei den oben angesprochenen Fix- oder variablen Zinssätzen sind wir vom sogenannten Sollzinssatz, auch Nominalzinssatz genannt, ausgegangen. Dieser inkludiert den Leitzins und die Aufschläge der Kreditinstitute, nicht aber die sogenannten Kreditnebenkosten. Diese variieren stark von Bank zu Bank und sind auch von der Bonität des Kreditnehmers abhängig. Das erschwert dem Laien den Vergleich von unterschiedlichen Kreditangeboten.

Daher sind die Banken seit 2016 verpflichtet, den Effektivzinssatz anzugeben. Dieser inkludiert den Sollzins und die Kreditnebenkosten, sowohl die einmaligen wie auch die laufzeitabhängigen. Sie werden auf die Gesamtlaufzeit heruntergebrochen und ebenfalls in einem Prozentsatz pro Jahr dargestellt. Der Effektivzinssatz ist also immer höher als der Sollzinssatz. Durch diese Größe werden nun Kreditangebote viel besser vergleichbar.

Wer selbst nachrechnen möchte, kann dazu unseren Effektivzinssatzrechner verwenden.

Beispiel: Kreditzins berechnen

Den monatlichen Kreditzins kann man zu jedem Zeitpunkt innerhalb der Laufzeit berechnen. Er verringert sich kontinuierlich, da er sich immer aus der noch offenen Restschuld errechnet. Daher kommt Monat für Monat ein niedrigerer Betrag heraus.

Familie Mustermann hat einen offenen Wohnkredit bei einer Bank und will wissen, wieviel sie im aktuellen Monat an Zinsen zahlt. Wir setzen in die Formel für Kreditzinsen einmal die Variablen ein:
Aktuell offener Rückzahlungsbetrag: 198.000 Euro
Effektivzinssatz: 1,3% p.a.
(198.000 x 1,3) / (100 x 12) = 257.400 / 1.200
Die Kreditzinsen der Familie Fritz für den aktuellen Monat betragen € 214,50.

Dieser Betrag beinhaltet noch keine Tilgung, das sind ausschließlich die Zinsen. Bei einer vereinbarten Rate von € 925 pro Monat, bedeutet dies im aktuellen Monat einen Tilgungsanteil von € 710,50. Im nächsten Monat sieht die Aufteilung zwischen Zinsen und Tilgung wieder anders aus, da sich die Restschuld bereits um € 710,50 reduziert hat. Mit ihr sinken auch die Zinsen.

Kreditzins bei tilgungsfreien Krediten

Die oben genannte Formel bezieht sich auf all jene Finanzierungsformen, die eine monatliche Tilgung der Gesamtsumme vorsehen, das ist die Mehrheit aller Wohnkredite. Im Gegensatz dazu bleibt bei tilgungsfreien Krediten die Restschuld gleich hoch. Monatlich werden ausschließlich Zinsen zurückbezahlt, die Raten inkludieren keinerlei Tilgung.

Eine Formel zur Berechnung des monatlichen Kreditzins ist in diesem Fall nicht nötig, da die Zinsen aufgrund der gleichbleibenden Referenzgröße, dem Finanzierungsbetrag, immer gleich hoch bleiben. Ein Beispiel für einen tilgungsfreien Kredit ist der Generationenkredit, dem wir hier einen eigenen Beitrag gewidmet haben. Verändert sich jedoch der Leitzins erleben auch variabel verzinste Generationenkredite Schwankungen in der monatlichen Zinsbelastung.

Begriffserklärung: Sollzins, Effektivzins, Fixzins, Variabler Zins, Euribor

Um die simple oben angeführte Rechnung durchführen zu können, muss man als Kreditnehmer erst einmal verstehen, was mit Kreditzins überhaupt gemeint ist. Dafür erklären wir hier einmal die wichtigsten Begrifflichkeiten rund um den Kreditzins.

Sollzins

Der Sollzins wird auch Nominalzins genannt und ist der reine Zinssatz auf das geliehene Geld. Keine weiteren Kosten sind darin enthalten. Es gibt zwei Möglichkeiten, wie der Sollzins zustande kommt: Entweder handelt es sich um einen variablen Zinssatz, der sich über die Dauer der Finanzierung hinweg ändern kann oder um einen Fixzins, der immer gleich hoch bleibt.

Effektivzins

Basis für den Effektivzins ist der Soll- oder Nominalzins. Aber im Unterschied zu den reinen Zinssätzen sind im effektiven Jahreszins – wie man ihn auch nennt – sämtliche Kreditnebenkosten inkludiert. Der Effektivzins ist die weit wichtigere Größe, da er Auskunft über die Gesamtbelastung gibt. Für die oben angeführte Rechnung verwenden wir als „Kreditzins“ daher den Effektivzinssatz. Natürlich kann auch der fix oder variabel sein. Mehr dazu finden Sie unter Effektivzinssatz.

Fixer Kreditzins

Fixzinskredit bedeutet, dass der Zinssatz auf eine bestimmte Dauer gleich bleibt, nicht jedoch die Zinsen, die monatlich zu zahlen sind. Denn auch wenn der Zinssatz unverändert bleibt, verringert sich die Restschuld durch die bereits getätigte Tilgung und somit der Referenzbetrag, von dem sich die Kreditzinsen errechnen.

Gerade bei Wohnkrediten sind fixe Verzinsungen sehr beliebt, da die lange Laufzeit und die hohe Kreditsumme bei einer variablen Verzinsung ein hohes Risiko mit sich bringen. Allerdings findet man kaum Kreditinstitute, die Fixzinskredite auf die Dauer der gesamten Laufzeit vergeben, sollte diese länger als 20 Jahre sein. Nach Ablauf der sogenannten Fixzinsphase kommt man also in die variable Verzinsung.

Variabler Kreditzins

Der Name verrät schon, dass der variable Zinssatz nicht immer gleich hoch sein muss. Aber natürlich kann es auch vorkommen, dass er eine Zeitlang unverändert bleibt. Er richtet sich nach dem Euribor, dem Leitzins der Europäischen Zentralbank. Der ist meist noch etwas niedriger als der variable Zins, den man von der Bank angeboten bekommt, weil die Bank noch eine sogenannte Zinsmarge dazurechnet. Das ist ein Aufschlag, der für das kreditgebende Institut den Ertrag ausmacht.

Kreditzinsen berechnen, was macht Sinn?

Gerade wenn man sich die Frage nach einer vorzeitigen Tilgung stellt, macht es Sinn, seine monatlichen Kreditzinsen mithilfe der Formel zu berechnen. Lesen Sie unter „Kredit vorzeitig zurückzahlen“ gerne nach, ob und wie man vorzeitig tilgen kann. Wichtig ist, dass hierfür der Effektivzinssatz herangezogen wird.

Kreditzinsen können fix oder variabel sein. Fix verzinste Kredite unterliegen (zumindest für die Dauer ihrer Fixzinsphase) keinerlei Schwankungen, während variable Kreditzinsen steigen oder fallen können. Sie sind vom 3-Monats Euribor abhängig.

Bei der gängigsten Form des Hypothekarkredits setzt sich die monatliche Rate aus den Kreditzinsen und einem Tilgungsbetrag zusammen. Die Raten bleiben immer gleich hoch, doch das Verhältnis von Zinsen zu Tilgung verändert sich von Monat zu Monat. Beim tilgungsfreien Kredit wiederum besteht die Rate ausschließlich aus den Kreditzinsen, da die Tilgung in Bausch und Bogen am Ende der Laufzeit zu bezahlen ist. Daher bleibt sie entweder gänzlich unverändert (bei fixer Verzinsung) oder richtet sich nach dem 3-Monats-Euribor (bei variabler Verzinsung).

Über den Autor: Mario Schantl
ist ausgebildeter Wohnfinanzberater seit 2010, hat sich 2016 selbständig gemacht und zeitgleich die OPTIFIN gegründet. Gemeinsam mit unseren Finanzierungsspezialist/innen in ganz Österreich ist es unser Ziel, online die "OPTImale FINanzierung" für unsere Kunden anbieten zu können. Dabei arbeiten wir völlig bankenunabhängig und ohne zusätzliche Kosten.

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