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Inflation und Kredit - die Zusammenhänge

Die Inflation ist der Wertverlust des Geldes. Das bedeutet, dass man um denselben Geldbetrag in der Zukunft nicht mehr dieselben Waren kaufen kann wie heute. Aber welche Auswirkungen hat die Inflation auf Kredite und wie wirkt es sich für bestehende und neue Kredite aus?

Diesen Fragen gehen wir in diesem Beitrag auf den Grund!

Inflation
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Autor:Mario Graf-Schantl
Position:Geschäftsführer & Gewerblicher Vermögensberater

Das Wichtigste in Kürze

  • Inflation ist der Wertverlust des Geldes.
  • Der Verbraucherpreisindex (VPI) misst die Inflationsrate auf Konsumentenebene.
  • Als Kreditnehmer kann man von der Inflation profitieren.
  • Bei tilgungsfreien Krediten lässt sich die inflationäre Entwicklung gut errechnen.
  • Das Gehalt steigt nicht immer im Verhältnis zum VPI.
  • Gerade für bestehende Immobilien Anleger wirkt sich die Inflation positiv aus.

Was bedeutet Inflation?

Die Inflation ist der Wertverlust des Geldes. Zwei Entwicklungen gehen miteinander Hand in Hand, die sich gegenseitig bedingen: Die Preise von Gütern und Dienstleistungen steigen, die Kaufkraft des Geldes sinkt. Eine gewisse Inflation ist wirtschaftlich sogar gewünscht und wird durch die Zentralbanken – so gut es geht – gesteuert. Das europaweite Ziel ist es, die Inflation bei ca. 2 % zu halten.

Jahresinflation in Österreich_1995 - 2022
*2022 – Stand inkl. Oktober 2022

Aktueller Stand der Inflation

Zur Zeit leidet ein großer Teil der Staaten weltweit unter einer relativ hohen Inflation. In Österreich sprechen wir hier von etwa 8% im Jahresschnitt für 2022. Viele Experten/innen gehen von einer Stabilisierung und manche sogar von einem Rückgang im zweiten Halbjahr 2023 aus.

Aber warum kam es überhaupt zu einem solchen Anstieg im Vergleich zu den Jahren zuvor, in denen die Inflation selten über 2% hinaus kam?

Wie so oft kamen hier mehrere Faktoren zusammen. Zum einen befindet sich Österreich nach wie vor unter den Einflüssen von Corona, dazu zählen weltweite Materialknappheiten und Lieferengpässe. Viele Unternehmen konnten einfach nicht mehr in der Menge liefern, zu der Nachfrage bestand.

Sehr vereinfacht kann man also sagen, dass die Nachfrage zwar stabil war, das Angebot aber zurückging und so die Preise ansteigen ließ.

Mit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine kam zusätzlich sehr viel Unsicherheit in die Wirtschaft, aber auch direkte Auswirkungen, wie beispielsweise viele Autoteilezulieferer, die ihren Firmensitz in der Ukraine haben.

 

Messbarkeit durch Verbraucherpreisindex

Die Statistik Austria stellt Jahr für Jahr (und auch in kleineren zeitlichen Einheiten) den sogenannten Verbraucherpreisindex (VPI) fest. Dies geschieht mithilfe eines sogenannten Warenkorbs.

Darin sind Güter und Dienstleistungen mit ihren Preisen enthalten, die die Bevölkerung konsumiert. Insgesamt finden sich so an die 800 Produkte im Warenkorb, allesamt Dinge und Dienstleistungen des täglichen Lebens. Der Preisvergleich vom aktuellen zum Vorjahr ergibt die Jahresinflation auf Konsumentenebene. Der VPI ist also die Inflationsrate für den Konsumbereich.

Berechnen kann man die Preissteigerung pro Produkt ganz einfach mit folgender Formel:

Neuer Preis/Alter Preis*100-100 = Prozentsatz der Steigerung

Ein Spielzeug hat beim letzten Mal noch 10 Euro gekostet. Man kauft nun ein Jahr später dasselbe noch einmal und zahlen dafür 11 Euro.

11/10*100-10 = 10%

Der Preis für das Spielzeug ist also um 10% gestiegen.

Individueller Warenkorb

Da der Warenkorb sämtliche Konsumgüter und Dienstleistungen enthält, ist nicht jeder Mensch gleichermaßen von der Preissteigerung betroffen, denn inkludiert sind alle Waren des täglichen Lebens wie Wohnkosten, Lebensmittel, Elektronik, Reisen etc.

Jemand, der viel mit dem Auto fährt, spürt eine Erhöhung der Rohölpreise stärker als ein Radfahrer. Ein Häuslbauer muss tiefer in die Tasche greifen, wenn Baumaterialen teurer werden, was wiederum eine Familie in einer Eigentumswohnung nicht beeinträchtigt. Es handelt sich wie bei so vielen wirtschaftlichen Statistiken also um einen Durchschnitt.

Wie wirkt sich die Inflation auf meinen Kredit aus?

Der Kreditnehmer gewinnt durch die Inflation. Der vertraglich festgehaltene Kreditbetrag bleibt natürlich bestehen. Der Wert verändert sich aber mit der Inflation mit. Sprich, der Finanzierungsbetrag erfährt Jahr für Jahr einen Wertverlust von zirka 2 %. Je länger die Laufzeit, desto mehr profitiert man von der Inflation. Natürlich zahlt der Kreditnehmer immer noch die vereinbarten Raten, deswegen erklären wir es andersrum: Alles wird teurer, nur nicht der Kredit. Mit der Inflation steigen meist auch die Gehälter, vielleicht nicht jedes Jahr, aber doch über einen längeren Zeitraum.

Ein einfaches Beispiel dazu:

Ein Haus wird 2010 zum Preis von € 300.000,- gekauft und mit 20% Eigenmittel auf 30 Jahre fixverzinst finanziert. Die Kreditsumme beträgt also € 240.000,- plus 10,1% Nebenkosten = € 264.240,-. Die Kreditrate bei 2% Effektiv beträgt etwa € 982,-.

Nach 30 Jahren, also 2040, wird die letzte Kreditrate (wegen dem Fixzins noch immer bei € 982,-) bezahlt. Die gesamten Ausgaben betrugen also:

Kredit: € 982,- x 12 Monate x 30 Jahre = € 353.520,-
Eigenmittel: € 60.000,-
Summe: € 413.520,-

Die Immobilie hat ihren Wert aufgrund der Inflation von jährlich 2% aber auf beachtliche € 543.408,- gesteigert.

Würde man die Immobilie also nach 30 Jahren verkaufen, hätte man einen beachtlichen Gewinn verbucht. Natürlich haben wir vereinfacht gerechnet und keine Sanierungen oder Rücklagen berechnet und eine stabile Wertentwicklung der Immobilie angenommen. Wer genauer rechnen möchte kann das am besten mit unserem Mieten Kaufen Rechner tun.

Dennoch zeigt das Beispiel, warum Inflation aus Sicht eines bestehenden Kreditnehmers positiv ist.

Inflation und Zinsen

Streng genommen gibt es keinen direkten Zusammenhang zwischen Inflation und Zinsen. Es ist eher umgekehrt, bei niedrigen Zinsen wird die Kreditaufnahme schmackhaft gemacht, was zu höheren Ausgaben von Firmen und privaten Haushalten führt. Das wiederum kurbelt die Inflation an. Diese Phase ist nun fürs Erste vorbei.

Die EZB ist bemüht, die hohe Inflation wieder einzufangen und erhöht daher nach und nach den Leitzins. Dadurch erhöht sich auch der EURIBOR und damit schlussendlich die effektiven Zinsen, die wir für Kredite bezahlen müssen. Wie hoch diese aktuell sind, erfährst du immer direkt in unserem Zins Newsletter oder im Beitrag Kreditzinsen in Österreich.

Ist Inflation negativ?

Wie schon erwähnt ist eine gewisse Inflation gewünscht, um einer möglichen Deflation entgegenzuwirken. Ob es für den einzelnen Kreditnehmer ein Vorteil sein kann oder nicht, hängt maßgeblich davon ab, wie sich sein Gehalt entwickelt. Nicht jede Branche oder jeder Arbeitgeber erhöht die Gehälter im Ausmaß der Inflation. Das ist dann ein grundlegendes Problem, denn wenn das Gehalt nicht angepasst wird, hat man als Arbeitnehmer de facto von Jahr zu Jahr weniger Verdienst. Wenn dies der Fall ist, nützt einem die Inflation auch nicht bei der Kreditrückzahlung. In den meisten Branchen wird daher jährlich über den Kollektivvertrag nachverhandelt, wobei sich die Seite der Arbeitnehmer argumentativ stets an der Inflation hält.

Vereinfacht lässt sich festhalten, dass Inflation für bestehende Kreditnehmer positiv ist, für Neukäufer eher nicht. Langfristig kann aber kaum vorhergesagt werden, wie sich die Inflation in 10, 20 oder 30 Jahren entwickelt.

Zusammenhang zum Wohnbaukredit

All die oben genannten positiven Effekte beziehen sich natürlich in erster Linie auf langfristige Finanzierungen wie Baufinanzierungen oder Wohnkredite. Bei den meisten Konsumkrediten sind die Effekte aufgrund der kurzen Laufzeit vernachlässigbar. Da es sich bei einer Wohnung oder einem Haus nicht um ein schnelles Konsumgut handelt, profitiert man doppelt durch die Inflation: Der Wert des Kredites sinkt, während der Preis für die bereits bestehende Immobilie steigt. Gerade Anlegern im Immobilienbereich spielt die Inflation positiv mit, da die Mieten mit dem Index mitangehoben werden, während der Kreditwert sinkt.

Den Kredit „weginflationieren“

Die Inflation ist zwar von Vorteil für den Kreditnehmer, ganz „weginflationieren“ wird sich ein Kredit jedoch nie lassen. Durch den Wertverlust des Geldes ist auch der Kredit weniger Wert. Eine Bürde ist die Inflation in jedem Fall für all jene, deren Gehälter sich nicht mit dem Index mitbewegen. Eigentümer von Liegenschaften profitieren sogar doppelt: Der Wert der Finanzierungssumme nimmt ab, während der Preis der Immobilie in die Höhe geht. Bei Anlegern steigen noch dazu die Mieteinnahmen mit der Inflation mit.

Über den Autor: Mario Graf-Schantl
ist ausgebildeter Wohnfinanzberater seit 2010, hat sich 2015 selbständig gemacht und zeitgleich die OPTIFIN gegründet. "Als eine der größten Plattformen in unserem Bereich, bieten wir unabhängige Beratung und Informationen für Immobilienfinanzierungen. Mit vorverhandelten Konditionen durch langjährige Partnerschaft mit Banken, ermöglichen wir Angebote zu Top Konditionen für unsere Kunden. Unsere Kernkompetenz ist aber die direkte Beratung, denn nur im persönlichen Gespräch, finden wir gemeinsam die optimale Lösung."

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  1. Florian, 29. September 2021

    Guten Tag,

    ich hätte eine Frage bzgl Zinsen und Inflation. Angenommen ein Haus ist (fast) abbezahlt, die Restschuld beträgt Summe X, wobei mtl ein Fixzinssatz von 1% bezahlt wird (ohne Tilgung). Die Inflation beträgt aktuell ca 3.8% bzw übers Jahr gesehen 2%. Das restliche Vermögen wird nicht anderweitig angelegt und ein Gehalt wird auf Grund des Ruhealters auch nicht mehr bezogen. Ist es sinnvoll diesen Kredit mit 1% Zinsen weiterlaufen zu lassen (wegen Entwertung) oder sollte man ihn lieber tilgen da das Vermögen bzw Einkommen nicht linear mit der Inflation läuft und es sonst keine weiteren Anlagen gibt. Vielen Dank für Ihre Auskunft

    1. Mario Schantl | OPTIFIN GmbH, 29. September 2021

      Guten Tag Florian,

      aus meiner persönlichen Sicht spielt in dem Szenario die Inflation keine allzu große Rolle. Das Einkommen unterliegt nicht mehr der Inflation, der Kredit sowieso nicht. Wenn die Rate bequem vom monatlichen Einkommen bezahlt werden kann, ist es daher reine Geschmackssache. Ohne die exakten Details zu kennen, denke ich aber dass das Tilgen die etwas bessere Option sein könnte. Immerhin umgeht man damit das restliche Zinsrisiko beim Kredit und hat monatlich mehr freies Einkommen. Für ein weiterlaufen würde sprechen, wenn man das restliche Vermögen sicher so anlegen kann, dass die Rendite die Zinsen übersteigt. Die Marktwirtschaft lehrt uns aber, dass Sparzinsen Kreditzinsen nur dann einholen können, wenn man Risiko nimmt.

      Das ist natürlich keine Empfehlung, sondern nur meine persönliche Meinung. Alles Gute und schöne Grüße!

  2. Josef, 26. April 2022

    Hallo,
    angenommen die EZB erhöht den Leitzinssatz um ein Prozent, wie hoch steigt dann der Zinssatz für ein Wohnbaudarlehen von derzeit 1, 2 effektiv?
    Mfg Josef

    1. Mario Graf-Schantl, 28. April 2022

      Hallo Josef,

      dann steigt der Zinssatz um den selben Betrag mit an. Der zu bezahlende Zinssatz besteht aus dem Leitzins (EURIBOR) und dem Bankenaufschlag. Die Auswirkungen sind daher direkt zu sehen.

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