Grundstück finanzieren

Wer ein Grundstück finanzieren will, hat sich im Vorfeld bestimmt schon einige Gedanken gemacht. Denn selten wird ein Grundstück ohne bestimmten Nutzen gekauft. Ob als Anlage, zum Hausbau oder für den landwirtschaftlichen Betrieb – der Kauf eines leeren Grundstückes muss wohl überlegt und gut kalkuliert werden.

Autor: Mario Schantl
Position: Geschäftsführer

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Inhaltsverzeichnis

Nutzung des Grundstücks

Bevor wir noch zur Finanzierung des Grundstückes kommen, ist es wichtig, die gewünschte Nutzung zu klären. Nicht jedes Grundstück eignet sich für jeden Zweck. Genaugenommen ist es gar nicht erlaubt, selbst über die Verwendung des Grundstückes zu bestimmen. Auch wenn dieses sich schon in Ihrem Eigentum befindet. Denn die dem Grundstück eigene Verwendungsmöglichkeit findet sich im sogenannten Flächenwidmungsplan wieder.

Wenn also eine Fläche als Landwirtschaft oder Wald gewidmet ist, darf darauf kein Einfamilienhaus entstehen. Auf einer der Industrie gewidmeten Fläche ebenso wenig. Für Ihr Traumhaus brauchen Sie in der Regel einen „Baugrund“. Also, bevor Sie sich noch für ein Grundstück entscheiden, gilt es zu klären, ob es sich für Ihre Zwecke überhaupt eignet. Umwidmungen sind manchmal zwar oft möglich, aber auf jeden Fall langwierig und mit Kosten verbunden.

Was kostet ein Grundstück?

Auch das hängt sehr stark von der Widmung ab. Baugründe sind wesentlich teurer als Landwirtschaften oder Freiflächen. Aber auch, wenn wir uns nur auf Baugründe konzentrieren, ist diese Frage nicht pauschal zu beantworten. Denn je nach Lage schwanken die Preise enorm. Im Österreich-Schnitt liegen sie bei € 250 pro Quadratmeter. Allerdings kann ein Grundstück im Ballungsraum ohne weiteres auch mehr als das Doppelte kosten. Die Statistik Austria gibt einmal im Jahr die aktuellen Grundstückspreise pro Gemeinde raus. Die können Sie hier nachlesen: https://www.statistik.at/web_de/statistiken/wirtschaft/preise/immobilien_durchschnittspreise/index.html.

Welche Kosten kommen beim Grundstückskauf auf mich zu

Ausgehend von der Annahme, dass ein leeres Grundstück erworben wird. Wie bei jedem Immobilienkauf ist es wichtig, nicht nur den Kaufpreis, sondern auch die Kaufnebenkosten zu berücksichtigen!

Diese sind:

  • Grunderwerbssteuer
  • Grundbucheintragungsgebühr
  • Maklerkosten (falls benötigt)
  • Anwalts- und Notarkosten
  • und die Kaufvertragsgebühr

Gerade die Grunderwerbssteuer ist mit 3,5 % ein ganz ordentlicher Brocken in der Nebenkostenrechnung. Sie müssen auf jeden Fall zum Kaufpreis noch einmal 10,1% an Nebenkosten draufrechnen, um den tatsächlichen Geldbedarf festzustellen.

Leeres Grundstück finanzieren

Wir gehen jetzt von der Annahme aus, dass ein leeres Grundstück zu Bauzwecken erworben wird. Dass die Hausbaukosten sowie die Einrichtung noch zum Grundstückspreis dazukommen, ist wahrscheinlich klar. Doch wenn dies ein noch unbebautes Grundstück ist, müssen außerdem noch die Erschließungskosten einkalkuliert werden. Sie haben diesen Ausdruck bestimmt schon gehört, wir erklären Ihnen, was dies alles inkludiert:

  • Anschluss an die Trinkwasserversorgung und die Kanalisation
  • Anbindung an das Stromnetz
  • Verbindung mit Gas- oder Fernwärmenetz
  • Verkabelung für Telekommunikation, TV- und Internet
  • Straßenanbindung

Natürlich müssen nicht bei jedem Grundstück all diese Erschließungskosten zum Tragen kommen. Die Verkehrsanbindung kann zum Beispiel schon gegeben sein. Eventuell braucht man heutzutage auch keine Telekom-Anschlüsse mehr. Die Kosten hängen von der Lage ab beziehungsweise von der Entfernung zu den nächsten Anschlussstellen. Je weiter diese weg sind, desto teurer wird die Erschließung. Bei neu parzellierten Grundstücken sind die Anschlüsse oft schon bis zur Grundstücksgrenze gezogen. Dies spart auf jeden Fall Kosten!

Grundstück und Haus in einem finanzieren?

Aufgrund der extrem hohen und immer weiter steigenden Grundstückskosten beschließt so mancher Häuslbauer, erst einmal das Grundstück zu sichern und erst nach einiger Zeit – vielleicht mit fortgeschrittener Familienplanung – das Haus darauf zu bauen. Das hat zumindest den Vorteil, dass das Grundstück zum aktuellen Preis gesichert wurde. Wer weiß, welch rasante Entwicklung die Grundstückspreise weiterhin nehmen?

Viel häufiger aber soll der Grundstückskauf direkt mit dem Hausbau einhergehen. Natürlich ist die monatliche Belastung dadurch von Anfang an sehr hoch. Ein ganz entscheidender Vorteil ist aber, dass der Grundstückskauf in Abstimmung mit der Hausbauplanung getätigt wird. Das beugt späteren Überraschungen vor, wenn zum Beispiel die Bodenbeschaffenheit gar nicht passt oder man aufgrund von Bebauungsvorschriften der Gemeinde sein Traumhaus nicht in der gewünschten Ausführung bauen darf. Außerdem ist in Sachen Finanzierung die Planbarkeit eine viel bessere. Preise von Grundstück plus Nebenkosten sowie der Kostenvoranschlag der Hausbaufirma sind bekannt und können in einem Finanzierungspaket mit der Bank geplant werden.

ACHTUNG: Wer ein Grundstück schon vorab kauft und erst später ein Haus darauf bauen möchte, kann dadurch bei der Bank sowohl einen Vor- als auch einen Nachteil erleben. Auf die Bonität und die Kreditkonditionen wirkt es sich positiv aus, wenn das Grundstück bereits abbezahlt ist, da es der Bank dann als Sicherheit dient. Hat man jedoch auf dem Grundstück noch ein Pfandrecht eingetragen, sprich, ist der Kredit für den Grundstückskauf noch nicht abbezahlt, zählt das Grundstück nicht zu den Eigenmitteln, da seine Sicherheit im Grundbuch nur zweitrangig ist hinter der ersten Bank, die das Grundstück finanziert hat. Lesen Sie mehr übers Pfandrecht im Artikel „Grundbuch“.

Unsere Finanzierungsspezialisten helfen Ihnen gerne, hier die richtigen Entscheidungen zu treffen. Gerne können Sie uns auch konsultieren, wenn Sie Ihr Wunschgrundstück gar nicht zu Hausbauzwecken kaufen wollen. Wir finden auf jeden Fall die richtige Finanzierung für Sie!

Welcher Kredit passt für die Finanzierung eines Grundstückes?

Da die Wahl der richtigen Kreditform mit persönlichen Hintergründen einhergeht, ist diese Frage pauschal sehr schwierig zu beantworten. Prinzipiell stehen Ihnen für den Kauf eines Grundstückes die gängigen Finanzierungsmethoden zur Verfügung. Wir listen Ihnen hier, welche Entscheidungsmöglichkeiten Sie haben und geben Tipps:

Hypothekarkredit

Sollte das Grundstück, das Sie kaufen möchten, und das damit verbundene Vorhaben (zum Beispiel Hausbau) als Sicherheit für die Bank reichen, spricht nichts gegen den klassischen Hypothekarkredit. Die Bank wird mit Ihrem Pfandrecht ins Grundbuch eingetragen.

Generationenkredit

Auch hier erhält die Bank ein Pfand wie beim klassischen Hypothekarkredit, allerdings in viel geringerem Ausmaß. Dies hat den Nachteil, dass Sie selbst höhere Eigenmittel aufbringen müssen. Der Generationskredit zeichnet sich durch die hohe Laufzeit aus und ist ein tilgungsfreier Kredit. Sprich, während der Laufzeit werden nur Zinsen gezahlt, der Kreditbetrag wird erst am Ende zurückbezahlt. Hier lesen Sie alles über den Generationenkredit.

Bauspardarlehen

Das Bauspardarlehen hat durch den aktuellen Niedrigzins zwar an Bedeutung verloren, ist aber dennoch eine Möglichkeit, einen Grundstückskauf zu finanzieren. Was Sie dabei vorab allerdings wissen sollten, ist die Darlehens-Obergrenze von 220.000 Euro pro Person.

Bürgschaft

Die Bürgschaft ist keine eigene Kreditform, sie ist eine Absicherung der Bank. Sollten Sie selbst nicht genügend Sicherheiten vorweisen können, kann ein Bürge diese „persönliche“ Sicherheit für Sie beziehungsweise für den Kreditgeber erbringen. Bürgschaften können unterschiedlich ausgeprägt sein. Welche Arten es gibt, erklären wir Ihnen in einem eigenen Beitrag zur Bürgschaft.

Fixe oder variable Verzinsung

Bei allen gängigen Krediten haben Sie als Kreditnehmer die Wahl zwischen fixer und variabler Verzinsung. Fixzinskredite sind anfänglich in der Regel teurer, dafür ist Ihnen diese Verzinsung über einen gewissen Zeitraum hin sicher. Während variable Zinsen gerade in der momentanen Niedrigzinsperiode geringere Sätze haben, die sich allerdings laufend (auch nach oben hin) ändern können.

Wenn Sie heute bei einem Fixzinskredit 1,3 % zahlen und variable Zinsen vielleicht bei 0,8 % liegen, haben Sie die Sicherheit in – sagen wir mal – drei Jahren bei der Fixzinsvariante immer noch bei 1,3 % zu stehen, während die variablen Zinsen bereits wesentlich höher sein könnten. Es obliegt also Ihrer Risikofreudigkeit, ob Sie sich für eine fixe oder eine variable Verzinsung entscheiden.

Laufzeit

Unsere Finanzierungsexperten raten meist zu einer möglichst langen Laufzeit. So auch beim Grundstückskauf mit Hausbau. Warum das? Eine vorzeitige Tilgung ist immer möglich. Bei Fixzinskrediten ist sie zwar oft mit einer Pönale (1% der offenen Kreditsumme) verbunden, bei variabler Verzinsung geht das aber ohne zusätzliche Kosten. Lieber einen monatlichen Sicherheitspuffer einhalten und das Geld für die vorzeitige Tilgung zur Seite legen. Auch wenn Sie die höheren Kreditraten, die mit einer kürzeren Laufzeit einhergehen, momentan leicht zahlen könnten, heißt das nicht, dass das auch in Zukunft so sein wird. Daher lieber langfristig finanzieren.

Finanzierungsspezialisten fragen

Wir helfen Ihnen sehr gerne, die beste Finanzierungsform für Ihr Grundstück zu finden. Unsere Finanzierungsspezialisten zeigen Ihnen sämtliche Kreditmöglichkeiten – abgestimmt auf Ihre persönliche Lebenssituation – auf und holen für Sie die Angebote bei den Banken ein. Nur so können Sie sicher sein, auch wirklich die günstigsten Konditionen zu bekommen.

 

Was ist bei der Finanzierung eines Grundstückes zu beachten?

Wir möchten Ihnen noch ein paar hilfreiche Tipps an die Hand geben, damit beim Finanzieren Ihres Grundstückes auch alles glattläuft.

  1. Schauen Sie in den Flächenwidmungsplan und studieren Sie auch den Bebauungsplan der Gemeinde!
  2. Prüfen Sie, ob Ihr Grundstück auch genau dem entspricht, was Sie brauchen. Selbst, wenn Sie Ihr Grundstück nicht direkt bebauen wollen, sollten Sie einen Experten mitnehmen, der den Wasserspiegel, die Bodenbeschaffenheit etc. kontrolliert. Auch sollten Sie vorab schon eine Idee von dem Haus haben, das Sie darauf bauen wollen und klären, ob dies möglich ist. Die verlässlichste Auskunft kann Ihnen natürlich die Baufirma selbst geben.
  3. Schauen Sie ins Grundbuch, um das Eigentumsverhältnis sowie Dienstbarkeiten herauszulesen. Nicht, dass Sie hier etwas übersehen!
  4. Vergewissern Sie sich, ob die Infrastruktur, die Sie zum Leben brauchen, auch gegeben ist.
  5. Klären Sie die Höhe Ihrer Eigenmittel. Eigentlich sollten Sie dies an allererster Stelle tun und sich erst dann auf die Grundstückssuche begeben. Sollten Sie das Grundstück mittels Hypothekarkredit finanzieren wollen, brauchen Sie 20% von Kaufpreis plus Nebenkosten (plus Baukosten im Falle eines Hausbaus). Wesentlich höher (bei mindestens 50%) liegen Sie beim Generationenkredit.
  6. Bedenken und berechnen Sie im Vorfeld auch die Erschließungskosten!
  7. Lassen Sie sich alle Möglichkeiten von den Banken darlegen und vergleichen Sie nicht nur die Sollzinsen! Der Effektivzins gibt Aufschluss über sämtliche mit dem Kredit verbundenen Kosten! Lassen Sie gerne einen Spezialisten helfen, der das beste Angebot für Sie findet. Wir helfen gerne! Zum Thema Effektivzinssatz finden Sie in diesem Artikel weiterführende Informationen.

Der Traum vom eigenen Grundstück

Sie sehen, es ist ein bisschen Wissen und Information notwendig, aber der Traum vom eigenen Grund und Boden lässt sich durchaus verwirklichen! Hinterfragen Sie alles und lassen Sie sich immer mehrere Angebote bei der Finanzierung und beim Hausbau vorlegen! So beugen Sie bösen Überraschungen vor und kaufen genau das richtige Grundstück für sich und Ihre Liebsten!

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