Zwischen Jänner 2024 und Juni 2026 sind über die Plattformen und das Beratungsnetzwerk von OPTIFIN mehrere tausend Finanzierungsanfragen aus ganz Österreich eingegangen. Jede enthält dieselben Angaben: gewünschte Summe, Vorhaben, Objektstandort, geplante Eigenmittel. Für diesen Report wurden sie anonymisiert ausgewertet.
Die Wunschsumme ist dabei der Betrag, den Menschen in ihrer Anfrage als gewünschte Finanzierung angeben, noch bevor eine Bank die Leistbarkeit geprüft oder ein Berater gerechnet hat. Der Report zeigt also die Nachfrageseite des Kreditmarkts: die Pläne der Menschen, bevor Bank und Budget darüber entschieden haben.
Die Ergebnisse auf einen Blick
- 250.000 Euro: Die Hälfte aller Anfragen liegt über, die Hälfte unter dieser Wunschsumme. Der Wert hält sich seit Jahren und erreicht im ersten Halbjahr 2026 mit rund 255.000 Euro den höchsten Stand der Zeitreihe.
- 125.000 Euro West-Ost-Gefälle: In Vorarlberg werden im Median 300.000 Euro angefragt, im Burgenland 175.000 Euro. Das sind 71 Prozent Unterschied.
- Der Umschuldungs-Boom ebbt ab: 2024 war fast jede fünfte Anfrage eine Umschuldung, 2026 ist es nur noch jede achte. Der Immobilienkauf kehrt mit 71 Prozent Anteil zurück.
- Eigenmittel bleiben die Reibungsfläche: Rund 45 Prozent der Interessent:innen planen mit weniger als 20 Prozent Eigenmitteln; angefragt wird im Median praktisch der gesamte Kaufpreis.
1. Die Viertelmillion: Österreichs Wunschsumme
Im Median fragen Österreicher:innen eine Finanzierung über 250.000 Euro an. Diese Kennzahl, Österreichs Wunschsumme, vermeldet der Report ab jetzt jedes Jahr neu. Dahinter steckt eine breite Streuung: 17 Prozent der Anfragen liegen unter 100.000 Euro, typisch für Sanierungen und kleinere Umschuldungen. 13 Prozent fragen eine halbe Million Euro oder mehr an. Die größte Gruppe (27 Prozent) wünscht zwischen 300.000 und 500.000 Euro.
So verteilen sich die Wunschsummen
Anteil der Anfragen je Summenklasse · Jän. 2024 – Jun. 2026 · Extremwerte bereinigt
Kleinstsummen unter 50.000 Euro kommen dagegen kaum vor, ihr Anteil bleibt unter 2 Prozent. Wer eine Immobilienfinanzierung anfragt, plant ein Projekt ab Sanierungsgröße und keinen Konsumkredit.
2. Das West-Ost-Gefälle: 125.000 Euro zwischen Vorarlberg und dem Burgenland
Die Wunschsummen zeichnen die Immobilienpreiskarte Österreichs nach. Zwischen dem teuersten und dem günstigsten Bundesland liegen 125.000 Euro:
Das West-Ost-Gefälle: 125.000 Euro
Mediane Wunschsumme je Bundesland (Objektstandort) · Jän. 2024 – Jun. 2026 · Karte schematisch
300.000 €
290.000 €
285.000 €
250.000 €
250.000 €
241.000 €
236.000 €
212.000 €
175.000 €
Wien liegt trotz der höchsten Quadratmeterpreise nur im Mittelfeld. Ein Grund: Nirgendwo sonst entfällt ein so großer Teil der Anfragen auf Eigentumswohnungen wie in der Hauptstadt, und Wohnungen brauchen kleinere Kredite als die Hausprojekte, die im Westen angefragt werden.
Das Gefälle überrascht uns in der Beratung nicht: In Vorarlberg oder Tirol ist ein Einfamilienhaus unter 600.000 Euro kaum zu finden. Entsprechend hoch sind die Finanzierungswünsche. Im Burgenland bekommen Sie für 175.000 Euro noch ein sanierungsfähiges Haus mit Grund.
Mario Schantl, OPTIFIN
3. Kauf kehrt zurück, Umschuldung ebbt ab
Zwei von drei Anfragen (68 Prozent) betreffen den Kauf einer Immobilie, 17 Prozent eine Umschuldung, jeweils rund 7 Prozent Sanierung/Modernisierung und Neubau.
Wofür Österreich Finanzierung anfragt
Vorhaben-Mix und mediane Wunschsumme je Vorhaben · Jän. 2024 – Jun. 2026
Über die drei Jahre verschieben sich diese Anteile deutlich:
- Der Umschuldungsanteil sinkt von 18,5 Prozent (2024) über 17,4 Prozent (2025) auf 12,8 Prozent (2026). Die Hochzinsphase hatte viele Kreditnehmer:innen in die Umschuldung getrieben. Mit der Zinsentspannung lässt dieser Druck nach.
- Der Kaufanteil steigt 2026 auf 71 Prozent, die höchste Kauflaune der letzten drei Jahre.
- Der Neubau bleibt mit gut 7 Prozent der Anfragen schwach. Die Baukrise ist damit auch in der Finanzierungsnachfrage sichtbar.
Der Umschuldungs-Boom ebbt ab
Anteil Umschuldung an allen Anfragen mit Vorhabensangabe · je Jahr
4. Stabil durch alle Zinsphasen und ein Rekord zum KIM-VO-Ende
Die mediane Wunschsumme hat die gesamte Zins-Achterbahn der letzten Jahre fast unbewegt überstanden. Seit 2019 liegt sie im Band zwischen 220.000 und 255.000 Euro:
Stabil durch alle Zinsphasen, Rekord nach dem KIM-VO-Ende
Mediane Wunschsumme je Jahr · 2019 – 2026 · 2026 = 1. Halbjahr
Im Jahr 2023, auf dem Zinsgipfel und unter voller Wirkung der KIM-Verordnung, sank der Wert auf 232.000 Euro. Seit dem Auslaufen der KIM-VO mit 30. Juni 2025 zieht die Nachfrage wieder an: Das erste Halbjahr 2026 markiert mit rund 255.000 Euro den höchsten Wert der gesamten Zeitreihe. Und das, obwohl die FMA die Kernstandards (maximal 90 Prozent Beleihung, maximal 40 Prozent des Nettoeinkommens für die Rate) als aufsichtliche Erwartung weiterführt.
Die Konstanz der Viertelmillion zeigt: Die Menschen passen nicht ihre Wunschsumme an den Markt an, sondern ihr Projekt an die Wunschsumme. Wenn Zinsen und Preise steigen, wird kleiner, weiter draußen oder später gekauft, aber die Budgetgrenze im Kopf bleibt.
Mario Schantl, OPTIFIN
Auch der Kalender spielt mit: Der Jänner ist mit Abstand der stärkste Anfragemonat (Index 120 gegenüber dem Jahresschnitt von 100), der Dezember der schwächste (75). Der Vorsatz „heuer wird gekauft“ lässt sich messen.
Der Jänner-Effekt
Anfrage-Aufkommen je Kalendermonat, Index (Jahresschnitt = 100) · Jahre 2019 – 2025
5. Eigenmittel: Wo Wunsch und Bankpraxis auseinanderliegen
Wer eine Finanzierung anfragt, plant im Median mit 50.000 Euro Eigenmitteln. In Relation zum geplanten Kaufpreis heißt das: Rund 45 Prozent der Interessent:innen kalkulieren mit weniger als 20 Prozent Eigenmittelquote, und im Median wird praktisch der gesamte Kaufpreis als Finanzierung angefragt. Nebenkosten wie Grunderwerbsteuer und Eintragungsgebühr sind dabei oft noch gar nicht mitgedacht. Ob sich Ihr Vorhaben mit Ihren Eigenmitteln ausgeht, zeigt der Wohnkreditrechner.
In unserer Beratungspraxis bringen erfolgreich abgeschlossene Finanzierungen meist 25 bis 35 Prozent Eigenmittel mit, deutlich mehr, als viele einplanen. Nur etwa jeder sechste Abschluss kommt mit weniger als 20 Prozent aus. Die gute Nachricht: Auch knappe Eigenmittel sind nicht automatisch chancenlos, mit 60 bis 80 Bankpartnern finden wir oft eine Lösung. Aber die Erwartung, den ganzen Kaufpreis plus Nebenkosten zu finanzieren, müssen wir in vielen Erstgesprächen zurechtrücken.
Mario Schantl, OPTIFIN
Was ist bei Ihnen machbar?
Die Studie zeigt, was Österreich sich wünscht. Was Banken Ihnen tatsächlich finanzieren, hängt von Einkommen, Eigenmitteln und Objekt ab. Wir prüfen es kostenlos, mit 60 bis 80 Bankpartnern im Vergleich.
Methodik
Basis dieses Reports sind mehrere tausend anonymisierte Finanzierungsanfragen, die zwischen Jänner 2024 und Juni 2026 über die Plattformen und das Beratungsnetzwerk von OPTIFIN eingegangen sind (für die Langzeit-Zeitreihe: jährlich eine vierstellige Zahl an Anfragen seit 2019). Ausgewertet wurden ausschließlich Angaben der Interessent:innen selbst: Wunschsummen, Vorhaben, Objektstandort, geplante Eigenmittel. Es handelt sich um Nachfrage-Daten, nicht um abgeschlossene Finanzierungen; die Datenbasis ist mit tatsächlichen Abschlussdaten nicht verknüpft, eine Abschlussquote lässt sich daraus nicht ableiten. Extremwerte (offensichtliche Fehleingaben) wurden ausgeschlossen, ausgewiesen werden Mediane und Anteile. Angaben zu Teilgruppen erfolgen nur, wo die Fallzahl belastbare Aussagen erlaubt. Als Vermittlungsplattform bildet OPTIFIN naturgemäß Menschen ab, die online eine Finanzierung anfragen. Der Report erhebt daher keinen Anspruch auf Repräsentativität für alle Kreditnehmer:innen Österreichs.
Über OPTIFIN
OPTIFIN ist ein unabhängiger österreichischer Finanzierungsvermittler mit Sitz in Graz. Für Kauf, Neubau, Sanierung und Umschuldung vergleicht OPTIFIN die Konditionen von 60 bis 80 Bankpartnern und verhandelt für Kund:innen in ganz Österreich, von der ersten Anfrage bis zur Auszahlung.
Pressekontakt: Mario Schantl · m.schantl@optifin.at · Grafiken und Rohtabellen (aggregiert) auf Anfrage.
Was ist die Wunschsumme bei einer Immobilienfinanzierung?
Die Wunschsumme ist der Betrag, den Interessent:innen bei ihrer Finanzierungsanfrage als gewünschte Kreditsumme angeben, noch bevor eine Bank die Leistbarkeit geprüft hat. Sie zeigt die Planungsseite einer Finanzierung: was sich Menschen vornehmen, nicht was am Ende abgeschlossen wird. In Österreich liegt die mediane Wunschsumme laut OPTIFIN-Report 2026 bei 250.000 Euro. Die Hälfte aller Anfragen liegt darüber, die Hälfte darunter.
Wie hoch ist der durchschnittliche Immobilienkredit in Österreich?
In Österreich wird eine Immobilienfinanzierung im Median mit 250.000 Euro angefragt, das zeigt der OPTIFIN-Report 2026 auf Basis mehrerer tausend Anfragen. Der Median ist aussagekräftiger als der Durchschnitt, weil einzelne sehr große Finanzierungen den Mittelwert verzerren. Je nach Vorhaben unterscheiden sich die Summen deutlich: Ein Neubau wird im Median mit 350.000 Euro angefragt, ein Kauf mit 260.000 Euro, eine Umschuldung mit 150.000 Euro und eine Sanierung mit 75.000 Euro.
Wie viel Eigenmittel brauche ich für eine Immobilienfinanzierung?
Als Richtwert gelten rund 20 Prozent des Kaufpreises plus Nebenkosten als Eigenmittel. In der Beratungspraxis bringen erfolgreich abgeschlossene Finanzierungen meist 25 bis 35 Prozent mit. Viele planen knapper: Laut OPTIFIN-Report kalkulieren rund 45 Prozent der Interessent:innen mit weniger als 20 Prozent Eigenmittelquote. Auch mit knappen Eigenmitteln ist eine Finanzierung nicht automatisch chancenlos, die Anforderungen unterscheiden sich je Bank deutlich. Mit 60 bis 80 Bankpartnern prüfen wir kostenlos, welche Bank zu Ihrer Ausgangslage passt.
In welchem Bundesland sind die gewünschten Kreditsummen am höchsten?
Am höchsten sind die Wunschsummen in Vorarlberg mit einem Median von 300.000 Euro, gefolgt von Tirol (290.000 Euro) und Salzburg (285.000 Euro). Am niedrigsten liegt das Burgenland mit 175.000 Euro. Zwischen dem Westen und dem Osten Österreichs liegen damit 125.000 Euro, das entspricht den regionalen Immobilienpreisen. Wien liegt trotz höchster Quadratmeterpreise mit 250.000 Euro nur im Mittelfeld, weil dort überdurchschnittlich viele Eigentumswohnungen statt Häuser angefragt werden.
Woher stammen die Daten des OPTIFIN-Reports?
Der Report basiert auf mehreren tausend anonymisierten Finanzierungsanfragen, die zwischen Jänner 2024 und Juni 2026 über die Plattformen und das Beratungsnetzwerk von OPTIFIN eingegangen sind. Ausgewertet wurden ausschließlich Angaben der Interessent:innen selbst, etwa Wunschsumme, Vorhaben, Objektstandort und geplante Eigenmittel. Es handelt sich um Nachfrage-Daten, nicht um abgeschlossene Finanzierungen; exakte Fallzahlen bleiben intern, Zellen mit kleiner Basis werden nicht ausgewiesen. Der Report erscheint künftig jährlich mit aktualisierten Zahlen.