Eigenkapital

Jeder will es haben. Viele erhalten es ohne eigenes Zutun. Andere müssen es sich hart erarbeiten. Das von Wirtschaft und Banken vielgepriesene Eigenkapital. Aber wie kommt man zu Eigenmitteln? Wie berechnet man Eigenmittel? Und was bedeutet der Begriff genau?

Was sind Eigenmittel?

Eigenmittel sind das Gegenteil von Fremdkapital. Vereinfacht ausgedrückt: Eigenkapital ist der Teil des Vermögens, der nach Abzug aller Verbindlichkeiten noch am Konto bleibt. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird als Eigenmittel der Teil bei einem Immobilienkauf bezeichnet, den ein privater Kunde selbst einbringt, also der Rest der Kreditsumme. 

 

 

Der Begriff Eigenkapital hingegen kommt eher aus dem Bereich der Unternehmensfinanzierungen, wird hin und wieder aber auch bei Immobilienfinanzierungen verwendet.

Eigenmittel berechnen

Um die eigenen Eigenmittel zu berechnen, muss man zuerst wissen, was überhaupt hinzugezählt werden kann, bzw. welche Werte Banken als Eigenmittel anerkennen:
 
  • Bargeld
  • Sparkonto, Sparbuch
  • Tagesgeldkonten und Festgeldkonten
  • Bausparverträge
  • Angesparte Versicherungsverträge (Lebensversicherungen, Pensionsversicherungen)
  • Immobilienbesitz (Grundstücke, Vorsorgewohnungen, etc.)
  • Aktien, Fonds
  • Zertifikate
  • Edelmetalle (Gold, Silber, etc.)
  • Baumaterial und Eigenleistung beim Hausbau
  • Kredite und Darlehen von privaten Personen
Bei diesen Werten kommt es aber immer darauf an, wie viel davon für die Finanzierung angesetzt werden können. Hier haben die verschiedensten Banken unterschiedliche Ansätze. So werden Aktien und Fonds meist nur teilweise und nicht zum aktuellen Kurs angesetzt. Fixe Werte können jedoch vom finanzierenden Institut besichert (vinkuliert) werden und dann zu 100% angesetzt werden. Das kommt bspw. bei Bausparverträgen und Versicherungen zu tragen, deren Rückkaufwert von der Versicherung garantiert wird.
 

Verschiedene Arten von Eigenkapital

Wenn Banken mit Privatpersonen über Eigenmittel sprechen, dann sprechen sie vom sogenannten realen Eigenkapital. Dabei handelt es sich um die Summe, die sich auf den Konten des Eigentümers befindet, und über welches er frei und zeitlich unbefristet verfügt.
Spricht ein Unternehmer von Eigenkapital, dann meint er damit meist das buchmäßige Eigenkapital. Das ist die positive Differenz, die sich bilanziell aus Vermögen und Schulden ergibt.
Die Betriebswirtschaftslehre kennt noch eine weitere Definition des Begriffs. Sie spricht auch dann von Eigenkapital, wenn der Eigentümer schlicht und ergreifend keinerlei Rückzahlungsverpflichtungen hat.

Vorteile und Nachteile von Eigenkapital

  • Firmen, die über Eigenkapital verfügen, sind stark genug, um sich aus eigenen Mitteln zu finanzieren. Sie benötigen kein Fremdkapital.
  • Eine hohe Eigenkapitalquote verweist bei Banken auf eine gute Bonität.
  • Hohes Eigenkapital ist ein Garant für den Kunden, dass er keinen Schaden durch Insolvenz zu befürchten hat.
  • Eine Eigenkapitalfinanzierung stellt für Unternehmer in einigen Fällen ein hohes Risiko dar.

7 Funktionen von Eigenkapital

Die Betriebswirtschaftslehre kennt sieben Funktionen der Eigenkapitalüberlassung. Was für Unternehmen gilt, ist aber auch für Private interessant:

  1. Gründungsfunktion: Unternehmen gründen mit Eigenkapital und tätigten damit Gründungsinvestitionen.
  2. Finanzierungs- und Haftungsfunktion: Die Höhe des Eigenkapitals entscheidet über die gute oder schlechte Bonität eines Unternehmens. Sie übernimmt außerdem als sogenanntes Garantiekapital die Haftungsfunktion gegenüber Gläubigern.
  3. Verlust-Absorptions-Funktion: Eigenkapital fängt als Pufferfunktion Verluste ab.
  4. Einfluss-Sicherungsfunktion: Je höher die Eigenkapitalquote desto mehr Einflussnahme auf das Unternehmen. Über die Höhe des Eigenkapitals leiten sich die Stimmrechte der einzelnen Gesellschafter ab.
  5. Gewichtung der Gewinnzuweisung: Die Höhe der Gewinnausschüttung richtet sich bei Kapitalgesellschaften nach der Höhe der Einlage der Gesellschafter.
  6. Repräsentations-Funktion: Eine hohe Eigenkapitalquote erfüllt im Bereich Marketing repräsentative Zwecke.
  7. Autonomiefunktion / Begrenzungsfunktion: Die Höhe des Eigenkapitals bildet die natürliche Grenze des möglichen Geschäftsvolumens: Je höher das Eigenkapital, desto mehr verschiebt sich die Grenze nach oben. Mehr Eigenkapital bringt damit auch mehr Freiheit.

Eigenmittel für Privatpersonen

Eigenmittel können auf verschiedene Arten angespart werden. Das klassische Sparbuch hat dabei weitgehend ausgedient. Nur noch sehr wenige Menschen legen ihr Geld auf ein Sparbuch. Grund dafür ist die schlechte Verzinsung. Trotzdem halten die Österreicherinnen und Österreicher gerne an Traditionellem fest und schließen den klassischen Bausparvertrag ab. Dieser wartet zwar ebenso nur mit einer schlechten Verzinsung auf, dafür bietet aber dank Einlagensicherung eine gewisse Sicherheit.

Es gibt aber auch alternative Formen zur Erhöhung der Eigenkapitalquote, wobei keine davon auch nur annähernd so risikolos ist wie der Bausparvertrag. Trotz erhöhtem Risiko entschließen sich aber immer mehr Private dazu, ihr Geld zunächst auf einem Tagesgeldkonto zwischenzulagern.

Nach Ansparen einer gewissen Summe legen sie einen Teil davon in börsengehandelte Fonds. Der Vorteil dabei: Das Geld auf dem Tagesgeldkonto steht jederzeit zur Verfügung und der Betrag, den man in ETFs investiert, kann frei festgesetzt werden. In manchen Fällen ist man schon ab 25 Euro dabei.
Aber Achtung! Wer seine Eigenkapitalquote mit ETFs erhöht, darf nicht alles auf eine Karte setzen. UND er muss dazu auch noch bereit sein, sich über diese Anlageform umfassend zu informieren. Es ist ein Muss, während der gesamten Laufzeit ein wachsames Auge auf seine Investmentprodukte zu haben. Wem das zu viel Arbeit ist, der bleibt besser auch weiterhin beim guten alten Bausparer.

Mehr Eigenkapital für Unternehmen

Je nach Rechtsform des Unternehmens ist es möglich, das Eigenkapital auf unterschiedliche Arten zu erhöhen. Bei einer Kapitalgesellschaft gelingt dies durch

  • die Aufnahme neuer Gesellschafter (Beteiligungsfinanzierung)
  • oder durch die Erhöhung der Einlagen (Einlagenfinanzierung)

Eine weitere Möglichkeit der Erhöhung des Eigenkapitals ist die Thesaurierung – also die Anhäufung – des Gewinns (Gewinnrücklage), die immer mit dem Verzicht einer Ausschüttung einhergeht.

Eigenkapital ist zwar ein Begriff, der erstmalig im Zusammenhang mit Kapitalgesellschaften Erwähnung fand. Dennoch kann das Wissen über Eigenkapital auch für Private gewisse Vorteile mit sich bringen. Denn wer über sein Geld nachdenkt, der hat gute Chancen, seine Finanzen langfristig im Griff zu haben.

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Detlef Krotz
Detlef Krotz
Seit über 8 Jahren ist Detlef Krotz bereits in der heimischen Finanzbranche als Finanzierungsspezialist tätig. Er berät täglich Kunden und Partner, die sich mit der Finanzierung einer Immobilie beschäftigen.